Ludwig ist krank

Ludwig ist krank

Ludwig kam von der Schule nach Hause. Als er die Haustür aufschließen wollte, krümmte er sich plötzlich vor Schmerzen.

Schon in der Schule hatte er ein komisches Gefühl im Bauch. Beim Einsteigen in den Schulbus bekam er das erste Mal einen schmerzhaften Krampf und sein Schulbrot bahnte sich den Weg nach oben. Der Busfahrer machte sich noch lustig über ihn, weil er so langsam die Stufen in den Fahrgastraum erklomm und dabei den ganzen Betrieb aufhielt.

»Na, du Lahmarsch! Beweg dich mal ein bisschen! Muskelkater vom Schulsport, was?«

Ludwig hasste ihn. In seinen Gedanken war dieser unsensible Busfahrer bereits tot. Seine Freunde waren etwas einfühlsamer. Simon, der im Bus neben ihm saß, fragte: »Was hast du denn? Ist dir schlecht?«

Ludwig konnte nur nicken und sich dabei den Bauch halten. Simon schaute mitfühlend. »Vielleicht hast du ja eine Blinddarmentzündung. Meine kleine Schwester hatte letztes Jahr auch eine. Fast wäre sie daran gestorben.«

»So ein Quatsch!« Frank, der in der Reihe vor ihnen saß, hatte alles gehört.

»Lass dich nur nicht verrückt machen! Laura hatte keine Blinddarmentzündung, sondern sich nur an den leckeren Pfannkuchen ihrer Oma total überfressen. Simons Eltern waren allerdings mit ihr im Krankenhaus, weil sie dachten, sie müsse sterben. Abends war sie wieder zu Hause. Simon ist ein Lügenbold! Aber sag‹ mal, ist es wirklich so schlimm?«

Ludwig nickte bloß.

Den kurzen Weg von der Bushaltestelle bis zur Wohnung schaffte er mit kurzen Schritten und zusammengebissenen Zähnen. Glücklicherweise begegnete er auf dem Nachhauseweg niemandem, sonst hätte er »Guten Tag« sagen müssen und er war sich sicher, dass ein offener Mund noch etwas anderes herausgebracht hätte.

Den Haustürschlüssel im Schloss zu drehen, dazu fehlte ihm die Kraft. Mit großer Anstrengung hob er den Arm und drückte die Klingel.

Seine Mutter öffnete nach einer kleinen Ewigkeit.

»Ludwig, du hast doch einen Schlüssel! Warum klingelst du denn? Du weißt doch ganz genau, dass ich zu dieser Zeit immer meinen Schönheitsschlaf mache!«

Fast ging es Ludwig schon besser, als er das hörte. Der Schönheitsschlaf seiner Mutter war nämlich sehr lustig anzuschauen, wenn man sie dabei erwischte. Allein die Gurkenscheiben auf ihren Augen! Manchmal fragte er sich schon, ob sie wirklich seine Mutter war oder ein übersäuerter Gurkensalat.

»Mir ist schlecht und ich muss gleich kotzen.«

»Komm erst mal rein. Die Haustür muss ja nicht stundenlang offen stehen.«

Es war ihr peinlich, mittags im Schlafanzug und mit pinkfarbener Schmiere im Gesicht von den Nachbarn gesehen zu werden. Völlig fertig stand Ludwig in der Küche und stütze sich auf eine Stuhllehne. Seine Mutter lag schon wieder auf dem Sofa und drapierte sich die Gurkenscheiben auf die Augen.

»Leg dich ins Bett, esse ein paar Scheiben Zwieback und trinke ein Glas Wasser!«

Ludwig wankte an die Spüle und trank ein Glas Wasser. Für zwei Schlucke brauchte er eine kleine Ewigkeit, so scheußlich weh tat es jedesmal, wenn das Wasser in seinen Bauch rann. Den Zwieback ließ er im Schrank.

Mit letzter Anstrengung schaffte er es, die Treppe hoch in sein Zimmer zu gehen und ließ sich aufs Bett fallen. Dem Ratschlag seiner Mutter folgend, schlief er sofort ein.

Sein Schlaf dauerte nicht lange. Nach einer halben Stunde wachte er bereits auf und verspürte beim Aufrichten einen stechenden Schmerz in der Stirn. Sein Bauchweh war auch nicht besser geworden. Sicherheitshalber ging Ludwig ins Badezimmer und hielt den Kopf über die Kloschüssel.

Außer einem leichten Würgen passierte zum Glück nichts.

Ludwig ging nach unten zu seiner Mutter. Die hatte mittlerweile ebenfalls ihr Nickerchen beendet, die Gurkenscheiben und die Gesichtspaste entfernt und sah – zumindest bis zum nächsten Tag – wieder aus wie eine sechszehnjährige Teenagerin.

»Mama, ich habe jetzt auch noch Kopfschmerzen!«

»Ach du liebe Güte! Du hast auch immer etwas anderes! Komm her, mein Lieber. Hier hast du eine Schmerztablette!«

Doch was Müttern hilft, ist für Kinder nicht gleich gut. Ludwig ging es nach der Giftinjektion nicht besser. Seufzend ergab seine Mutter sich in ihr Schicksal und fuhr mit Ludwig zu Dr. Engelbrecht. Der hatte gleich eine Diagnose parat, ohne Ludwig näher zu untersuchen.

»Ihr Sohn hat wahrscheinlich eine Grippe. Er kann sich zuhause mal vor das Fernsehgerät setzen. Das lenkt ab!«

Ludwig starrte dem Doktor ungläubig an. Das konnte doch nicht wahr sein? Doch Dr. Engelbrecht reagierte überhaupt nicht. Er saß vornübergebeugt an seinem Schreibtisch und rechnete seinen Gewinn aus.

Zu Hause angekommen, wurde sofort das Fernsehgerät eingeschaltet. Im Ersten Programm kam eine Sendung über Hausgeburten. Das Blut lief in Strömen. Ludwig rief: »Mama, ich muß kotzen!«

Seine Mutter stellte gleich einen Eimer neben das Sofa. Ludwig würgte fleißig, doch viel kam nicht heraus.

»Soll ich dir ein anderes Programm einschalten?«

Ludwig nickte mühsam. Er fühlte den Tod nahen. DieMutter drückte auf der Fernbedienung herum und schaltete durch die Programme. Auf dem Kinderkanal kam gerade »Lassie«.

»Willst du Lassie sehen?«

»Ja, lass mal an!«

Mutter verschwand wieder in der Küche. Ludwig schnappte die Fernbedienung und schaltete weiter. In einem Dritten Programm lief »Parlez-vouz francais?« Ludwig verstand überhaupt nichts. Französisch würde er erst im siebten Schuljahr lernen. Aber er bekam plötzlich eine gute Idee. So schnell wie er konnte, also im absoluten Schneckentempo, ging er die Treppe hinauf zu seinem Zimmer und öffnete seine Schultasche. Wo war bloß das Englischheft? Es war nirgends zu finden. Da fiel ihm ein, dass er es im Klassenzimmer auf seinem Tisch liegengelassen hatte. Das sollte ihn morgen früh in der Schule gleich daran erinnern, dass er die Hausaufgaben für die dritte Stunde noch in der großen Pause von Stefan abschreiben wollte. Was jetzt? Zum Glück hatte er noch sein Englischwörterbuch im Regal. Er nahm das Buch und legte sich damit ins Bett. Er fing bei »A« an.

Als er nach zwei Stunden meinte, genug gelernt zu haben, holte er seine Mathematikhausaufgaben. Damit war er schon nach zehn Minuten fertig. Anschließend setzte er sich an seinen Schreibtisch und malte mit Wasserfarben ein schönes Bild von seiner Mutter. Leider misslang es ihm. Zuerst wollte er es in den Papierkorb werfen, doch dann bekam er einen Einfall. Er hängte es kopfstehend und umgekehrt an seine Zimmertür.

Ludwig mochte es, seiner Umwelt Rätsel aufzugeben. Irgendwann würde seine Mutter merken, dass ein leeres, weißes Blatt an der Tür hing und die Angelegenheit näher untersuchen.

Ludwig wurde müde und legte sich ins Bett. Als er am nächsten Morgen aufwachte, waren alle Schmerzen verschwunden.

Das Original

Als Ludwig nach Hause kommt, hat er Bauchschmerzen. Seine Mutter sagt: »Leg dich ins Bett, esse ein paar Scheiben Zwieback und trinke ein Glas Wasser.«

Ludwig tut was seine Mutter sagt. Aber nachdem er 30 Minuten geschlafen hat, merkt er, dass sein Kopf wehtut!

Er geht zu seiner Mutter, die ihm sofort eine Kopfschmerztablette gibt. Doch auch nach diesem Versuch geht es Ludwig nicht besser. Seine Mutter hält es nicht mehr aus und fährt mit ihrem Sohn zum Arzt. Der meint: »Ihr Sohn hat wahrscheinlich eine Grippe. Er kann sich zu Hause mal vor das Fernsehgerät setzen. Das lenkt ab!« Ludwig macht, was der Arzt gesagt hat. Danach geht es ihm ein wenig besser.

Aber am nächsten Morgen hat er wieder Bauchschmerzen. Seine Mutter sagt: »Du gehst auf keinen Fall in die Schule! Hörst du! Eine Grippe ist ansteckend.« Ludwig nickt und schaltet den Fernseher an. Aber das wird ihm langsam zu langweilig.

Er nimmt sein Mathebuch aus dem Schulranzen und rechnet Seite für Seite. Als er ein Drittel des Mathebuches durch hat, lernt er seine Englischvokabeln. Es macht ihm richtig Spaß so zu lernen. Als er mit den Vokabeln fertig ist malt er ein schönes Bild. Dann spielt er ein paar Lieder auf seiner Blockflöte, lernt die lateinischen Begriffe für Kirchen und für die Bioarbeit. Er ist so in das Lernen vertieft, dass er gar nicht merkt, wie die Bauch- und Kopfschmerzen weggehen. Erst als er das gesamte Deutschbuch durchgelesen hat, merkt er dass seine Schmerzen wie weggeblasen sind.

Er läuft zu seiner Mutter und ruft: »Mama, ich kann morgen wieder in die Schule! Die Bauchschmerzen sind weg!« Ludwigs Mutter ist froh dass es ihrem Sohn wieder gutgeht. Und am nächsten Tag geht Ludwig wieder in die Schule!

Rüdiger

»Wann kommt er denn endlich?«

Rüdiger hieb mit seiner flachen Hand an die Beifahrertür des Firmenwagens. Mittlerweile begann die Kälte des frostigen Wintermorgens an seinen Zehen zu nagen. Sein Chef war jetzt schon seit zehn Minuten überfällig. Mit kalten Fingern angelte er sich eine filterlose Zigarette aus der zerknitterten Packung und drehte sich in den kalten Wind, um sie mit seinem Sturmfeuerzeug in den hohlen Händen zu entzünden. Tief inhalierend ging er zurück zum Werkzeugschuppen. Der Schuppen war zur Hofseite hin völlig offen. Nur die rechte Hälfte mit Werkzeugen und Maschinen auf einer Pflasterfläche diente dem Betrieb. Der restliche Platz war vollgerammelt mit Heu- und Strohballen. Der Minibagger stand auf einem Anhänger. Die Einstiegstür fehlte.

Rüdiger stieg über den Radkasten des Anhängers und ließ sich in das Führerhaus des Baggers fallen.

»Brumm, brumm, brumm!«

Vor lauter Langeweile spielte er an den Armaturen und stellte sich vor, wie er gerade das Grab von Hansi verfüllte.

»Der Arsch! Erstmal aus Versehen mit dem Baggerlöffel den Sarg ein bißchen einquetschen, damit die Würmer schneller an dich drankommen! Dann ein Löffel Dreck, noch ein Löffel Dreck … oh, entschuldige bitte, dass ich deinen Sarg schon wieder gelöchert habe! Brumm, brumm!«

Er hörte ein weiteres Brummen, diesmal von der Straße weiter unten und sein Gefühl sagte ihm: Der Chef kommt. Ein blauer Geländewagen fuhr zügig den Feldweg zum Schuppen hoch. Endlich! Wenn er jetzt nicht gekommen wäre, hätte Rüdiger sich in seinen rostigen Opel Corsa gesetzt und wäre zu seiner Freundin Britta gesaust.

Sein Chef kam mit Sicherheit von einer seiner vielen Freundinnen. Der geile Bock! Rüdiger konnte nicht verstehen, was die Weiber an ihm fanden.

»Morgen, Rüdiger!«

Hansi blieb in seinem Protzschlitten sitzen und hatte nur die Seitenscheibe elektrisch geöffnet.

»Hast du schon lange gewartet? Tut mir leid, dass ich so spät bin. Hier ist der Schlüssel vom LKW. Wenn du heute fertig bist, schließ ab und nimm ihn mit. Keine Ahnung, ob ich morgen mithelfen kann. Jetzt muss ich auch gleich wieder los, Baustelle in Dünsperg angucken. Kann zehn Uhr werden, bis ich zu dir stoße, haha! Ansonsten ist ja alles klar: Bagger mitnehmen und buddeln was das Zeug hält. Die Beerdigung ist um zwei, bis dahin muss alles pikobello sein. Also dann, tschüss!«

Den Motor des Geländewagens hatte der Chef erst gar nicht abgestellt. Der Rückwärtsgang wurde eingelegt und weg war er.

Rüdiger ging zum LKW und steckte den Schlüssel ins Schloss. Verdammt, schon wieder verklemmt. Die Karre hatte schon 23 Jahre auf dem Buckel und in dieser Zeit bestimmt schon eine Gesamttonnage von der Masse des Mondes transportiert. Endlich rastete der Schlüssel ein. Wütend riss Rüdiger die Fahrertür auf. Sie fiel ihm entgegen und er konnte sie gerade noch halten, als sie sich aus der oberen Halterung löste und auf ihn.

»Mist, Scheiße, Gottverdammte Hurendoggenscheiße!«

Die Verzweiflung allen aufgestauten Elends des heutigen Morgens entlud sich in einer Entscheidung mit orgiastischem Höhepunkt.

»Weg den Dreck!«

Schwungvoll knallte die Tür runter und knirschte entsetzlich in der unteren Angel. Drei, vier kräftige Tritte mit stabilen Sicherheitsstiefeln knallten gegen das Türfutter. Noch hielt die Tür. Rüdiger schaute sich den Schaden genauer an. Die obere Türangel war total abgefault und hatte sich mit einem riesigen Loch in der Füllung verabschiedet. Die kläglichen Reste hingen an der Tür und bröselten in rostigen Krümeln ab.

»Total im Arsch, die Karre!«

Kurz entschlossen packte Rüdiger die Tür und hob sie ein paar Mal auf und ab, in der Hoffnung, sie aus der unteren Halterung reißen zu können. Der Erfolg kündigte sich in schrillem metallischen Kreischen des gequälten Stahls an. Nocheinmal! Fester! Nochmal! Nichts bewegte sich. Enttäuscht – und dennoch hochzufrieden über den Widerstand deutscher Qualitätsarbeit gegen den Rost der Zeit – hielt Rüdiger in dieser sinnlosen Arbeit inne.

»Hier brauchen wir stärkeres Kaliber!«

Entschlossen holte er die Pflasterbrechstange vom Anhänger und setzte sie an. Zweimal kräftig gehebelt, dann war sie ab. Na also! Die Tür zerrte er gleich auf den Metallschrotthaufen.

Ein Blick auf die Armbanduhr zeigte ihm, er müsse sich jetzt beeilen. Sobald er den Anhänger mit dem Bagger darauf angehängt hatte, bugsierte er, eingenebelt in schwarze Dieselabgase, das Gespann zur Hofeinfahrt hinaus auf die Straße. An diesem Frühlingsmorgen schien die Sonne zwar schon seit zwei Stunden, hatte es aber noch nicht geschafft, die kalte Nachtluft entscheidend zu erwärmen. Rüdiger hielt seine Arbeitsjacke bis zum Kinn verschlossen und lenkte mit Arbeitshandschuhen. Zeit zum Warmlaufen des LKW-Motors hatte er nicht gehabt und selbst mit funktionierender Heizung hätte das nichts gebracht, weil die Fahrertür fehlte.

»Ich muß doch wirklich bescheuert sein, so loszufahren!«

Sicherheitsgurte waren ihm Führerhaus nicht vorhanden. Auch deshalb hatte Rüdiger ein schlechtes Gefühl beim fahren. Egal, noch drei Kilometer bis zum Friedhof, da wird schon nichts passieren!

Vorsichtig bog er mit dem Gespann nach rechts in die Bahnhofstraße ab. Hier hatte die Straße ein leichtes Gefälle und Rüdiger rollte im kleinen Gang hinab. An der Sparkasse musste er anhalten, weil vor ihm ein altes Mütterchen die Straße überquerte. Aus dem Tabakladen an der Ecke öffnete sich gerade die Tür und Rüdigers Freund Erwin kam heraus. Obwohl dessen Augen von der Zecherei der letzten Nacht noch verklebt waren, erkannte er Rüdiger in der Klapperkiste und begann sofort ein entsetzliches Gebrüll.

»Rüdiger, du alte Sau! Warte mal! Haste mal 5 Euro für mich? Die Fotze hier will mir nichts mehr geben! Dabei hab’ ich gerade gestern noch ‘nen Zwanziger rübergeschoben, den Hansi mir für’s Leichenfleddern gegeben hat!«

Erwin war so eine Art Gelegenheitsarbeiter bei Hansi. Seit zwei Jahren arbeitet er tage- oder wochenweise im Betrieb, je nachdem, welchen Bedarf Hansi an ihm hatte. Zuletzt hatte er vor ungefähr 3 Monaten auf einer Baustelle in Dünsperg gearbeitet oder so. Eines Morgens hatte Hansi ihn schon um 10 vollgesoffen angetroffen und sofort rausgeschmissen. Bei Andriana, der Inhaberin des Tabakladens, hatte er dauernd Schulden. Selten hatte die er die Gelegenheit, sein Konto bei ihr auszugleichen. Sein einziger Nebenverdienst zu Hartz IV war die Mithilfe beim Gräberschaufeln in der Hansis Tiefbaufirma.

Ende kommt noch.

Jesus beginnt

Stell dir vor, du bis Jesus, wohnst mit 28 Jahren immer noch bei deinen Eltern und arbeitest im Zimmereibetrieb deines Vaters. Nach einer durchzechten Nacht liegst du im Bett in süßen Träumen. Zwei kräftige Ohrfeigen wecken dich.

»Raus mit dir, du faules Stück Scheiße!« Dein Vater Joseph holt bereits zum dritten Streich aus, als du mühsam den Oberkörper aufrichtest.

»Hör‘ auf, alter Mann. Schrei‘ nicht so, ich habe Kopfschmerzen!« Du versuchst ein Lächeln, um ihn zu besänftigen. Die Anspannung der Gesichtsmuskeln verursacht noch mehr Schmerzen.

»Es reicht mir. Pack‘ die Sachen. Hau‘ ab. Das war die letzte Nacht in diesem Haus!«

Joseph wendet sich ab und schiebt im Hinausgehen den Türvorhang zur Seite. Du kriegst eine Wut. Leider hast du nichts Stabiles in greifbarer Nähe um es ihm in den Rücken zu werfen. Dann eben mit Worten:

»Fick‘ dich, du Arsch!« Dein Vater hält kurz inne, schüttelt den Kopf und geht. Hinter ihm fällt der Türvorhang zurück. Stöhnend lässt du den müden Körper in die weichen Schaffelle zurückfallen. Du denkst an Mutter Maria, die es mit diesem Holzkopf so lange ausgehalten hat. Kaum war sie vor drei Jahren langwierig an den Folgen eines unglücklichen Eselbisses gestorben, hatte Josef, vor dem Ende des Trauerjahres, diese kleine Philisterin Hannah aufgerissen und ins Haus geholt. Du denkst an die Verführungskünste der Stiefmutter, dieser geilen Sau. Du bist stolz, dass du ihrer Gier immer widerstehen konntest. Das war recht einfach, wenn du daran dachtest, wie deine steife Rute sich in ihrem Loch anfühlen würde, in dem kurz zuvor dein Vater abgespritzt hat. Prüfend fasst du an dein Geschlecht und bist beruhigt, denn der Gedanke an Hannah blieb folgenlos. Doch Johannes! Wie lieb er heute Morgen zu dir war!

Du bleibst ein Viertelstündchen liegen und reibst die Wurst. Die Stimmung ist jedoch im Keller. Langsam wird dir klar: Ein neuer Lebensabschnitt liegt vor dir, das ist beunruhigend. Du hast im ganzen Leben nie woanders als bei deinen Eltern geschlafen. Der Alte machte den Eindruck, als würde er diesmal Ernst machen mit dem Rauswurf.

Die Überlegungen haben ein plötzliches Ende, als Joseph wieder in die Kammer kommt. In der Hand hält er einen Knotenstock.

Er sagt nur: »Raus. Jetzt!«

Widerwillig entsteigst du dem Lager, greifst nach deinen Habseligkeiten und klemmst sie unter den Arm: Jesuslatschen, Brotbeutel, Winterumhang. Zwei Pergamentrollen in einer Lederhülle. Das war’s. Nein, da liegen noch zwei ungewaschene Lendenschurze unter dem Lager. Du breitest, ungesehen von Joseph, die Felle des Lagers darüber. Soll sie waschen, wer will. Jetzt, zu Beginn des Frühlings, sind auch die Nächte schon wärmer und der einfache Kaftan wird genügen. Du findest es sowieso besser, deinem Gehänge Platz zum Schwingen und Baumeln zu lassen.

Wortlos schiebst du dich an deinem Vater vorbei in die Küche. Hier hockt Hannah vor der Feuerstelle und rührt in einer Schüssel. Ihr üppiges Gesäß ist dir entgegengereckt, doch du achtest es nicht. Sie hält im Rühren inne, sieht nur kurz auf, dann arbeitet sie weiter. Du nimmst einen Jutesack vom Haken, stopfst deine Sachen hinein. Die Sandalen behältst du in der Hand, die wirst du draußen am Brunnen anziehen.

***

Du trittst aus der Hütte auf die Gasse. Wie an jedem Morgen, an dem du zu spät aufstehst, wirst du von der Obstverkäuferin Nadesdra, die ihren schäbigen Stand gleich gegenüber hat, auf das Schärfste beleidigt: »Moin, Jeschu, du ewiger Hosenscheißer! Muss dein armer Vater heute wieder allein die ganze Arbeit machen! Schäm‘ dich, du Pissnelke!«

Warum prallen die derben Worte an dir ab? Du bist verunsichert. In dir ist Neues, Seltsames. Etwas ist anders. Du weißt, dein Leben steht vor einem Umbruch. Nein, eine Veränderung hat schon stattgefunden, du spürst es.

Statt die Beleidigungen zu erwidern und weiterzugehen, weichst du einem Eselkarren aus, gehst die drei Schritte über die Gasse und bleibst breitbeinig vor ihrem Stand stehen. Der Gestank verfaulender Früchte kitzelt in der Nase. Nadesdra wird still. So hast du noch nie auf die Schimpftiraden der alten Frau reagiert. Sie hat Angst vor dir. Verlegen versucht sie ein Lächeln. Der Anblick der deutlich erkennbaren, fauligen Zahnstummeln macht sie noch hässlicher.

Du kennst sie schon ewig. Sie putzte deinen Hintern, wenn Mutter Maria wochenlang in Jerusalem anschaffen ging und Vater dich einfach bei ihr unterbrachte. Dir fällt ein, wie froh du damals warst, wenn Maria zurückkam und es wieder die süße, mütterliche Milch gab. Dagegen schmeckte die Ammenmilch aus den Zitzen der Nadesdra vermutlich wie ihre eigene Pisse. Als Säugling warst du wehrlos, wenn sie dir die Zitzen bot. Erst als du älter warst, zwischen hässlich und schön unterscheiden konntest, kam die Abscheu gegen diese Ausgeburt der Hölle. In dieser Zeit hast du auch begonnen, deinen Vater zu hassen, der sein Kind gnadenlos in die Obhut dieser widerlichen Mistkuh gab.

»Friede sei mit dir« sagst du.

Verdutzt schließt sie den Mund und schaut mit großen dunklen Augen zu dir auf.

»Willst du mich verarschen, du nichtsnutziger Sohn einer Hure?«

Sie ist verunsichert. Normalerweise werft ihr euch gegenseitig Beleidigungen an den Kopf. »Vertrottelte Dattelpflaume« ist noch eine der liebendwürdigeren Schimpfworte, mit denen du sie betitelst.

Du schüttelst den Kopf. Leise sagst du: »Nein. Verzeih‘ mir, ich habe gesündigt.«

»Verlogenes Stück Scheiße! Fauler Lumpenhund! Scher‘ dich zum Teufel!«

Nachdenklich nickst du. Sie hat ja recht. Dein ganzes bisheriges Leben war geprägt von Lüge, Faulheit und Verrat. Dir wird deutlich: Du bist in den Fängen des Widersachers gewesen. Wie viel Hütten, die du mit deinem Vater zusammen errichtet hast, sind schon am nächsten Tag in sich zusammengefallen, weil deine Arbeit nicht ordentlich war. Glücklicherweise kam bisher niemand dadurch zu Schaden.

»Ich komme morgen wieder. Soll ich dir ein wenig Brennholz mitbringen, liebe Nadesdra?«

Du wartest die Antwort nicht ab und gehst die Gasse hinunter zum Brunnen. Nadesdras Flüche verfolgen dich:

»Verkacktes Arschgesicht! Rotzbacke! Gottverfluchter Milchbubi!«

Deine neuen Emotionen sind ein Rätsel. Dir fallen nicht die passenden Antworten ein. Gerade den »Milchbubi« würdest du gern dreifach verflucht mit einer passenden Antwort zurückgeben. Ein bisher unbekanntes Gefühl nach Liebe wird stärker, du spürst es.

***

Nachdenklich erreichst du den ersten Brunnen. Die Zeit der morgendlichen Waschungen ist längst vorbei und du bist an dieser Wasserstelle allein. An den anderen 4 Brunnen auf dem Dorfplatz von Nazareth ist nicht viel los. Zwei Weiber ziehen Wasser aus einem Brunnen und füllen es in leere Krüge, die ein Junge bringt und dafür die vollen mitnimmt. Du ziehst den Kaftan aus, legst ihn auf den Brunnenrand und gießt einen bereitstehenden vollen Wasserkrug über deinen Kopf. Mit Sand aus der hölzernen Kiste neben dem Brunnen reibst du deinen Körper gründlich ein. Der Sand schmirgelt den Schmutz von deiner Haut. Mit zwei weiteren Wasserkrüge spülst du den Sand weg. Prüfend betastest du den schmutzigen Kaftan auf der Brunnenumrandung. Es gefällt dir nicht, dieses stinkende Etwas über deinen frisch gewaschenen Körper ziehen zu müssen. Doch was bleibt dir übrig? Das schmutzige Tuch fühlt sich schmierig auf deiner Haut an. Du nimmst dir vor, heute noch ein neues Gewand zu besorgen. Du stellst die Füße auf eine Steinbank und ziehst die Sandalen an. Der Riemen der rechten Sandale reißt ab. Du unterdrückst einen Fluch. So geht das nicht.

Seufzend wirfst du die Sandalen in den Jutesack. Deine Blicke suchen den Marktstand des Händlers für Männerkleidung. Vergeblich, denn in Nazareth ist nur einmal wöchentlich Markttag, der letzte war vorgestern. Heute ist, wie die meiste Zeit in deinem Leben, nichts los hier. Die tollen Frauen sind auch wieder fort. Der Knabe trägt gerade die letzten zwei Wasserkrüge in eine Gasse im Westen. Du überlegst, wie es jetzt weitergehen soll. Du hast kein Dach über dem Kopf, keine Arbeit, kaputte Sandalen und sprichwörtlich das letzte Hemd am Leib.

Allmählich kommen die Erinnerungen an den gestrigen Tag zurück. Gestern wolltest du nach der Arbeit wie immer in die Spelunke an der Höhlenwand gehen. Doch Nathael, einer der Mitarbeiter deines Vaters, wollte mit dir zu dem Lager der Täufer. Die hatten vor zwei Wochen am See Genezareth ein kleines Zeltdorf aufgebaut. Du hast auf ein schönes Pfeifchen gehofft und leckeren Wein. Jedenfalls hat dich der Nathael damit geködert.

Je mehr du an die vergangene Nacht denkst, desto düsterer wird alles. Ein Name, ein Gesicht fällt dir doch noch ein: Johannes! Dir wird seltsam warm, als du an ihn denkst. War er der Grund für, ja was eigentlich? Dir geht es anders als sonst, das spürst du. Was sagtest du zu deiner alten Amme? »Friede sei mit dir.« Statt ihr ordentlich die Meinung zu sagen. Es ist vielleicht keine schlechte Idee, das Zeltdorf der Täufer aufzusuchen. Den Johannes finden und ihn fragen, was in der gestrigen Nacht geschehen ist. Was gibt es sonst noch für Ideen? Keine. Also.

***

Auf dem steinigen Weg zum See hinunter kommen dir einige Fischer entgegen, die mit Kübeln voller Fische von ihrer Nachtfahrt auf dem See Genezareth zurückkehren.

Du kennst jeden Einzelnen von ihnen. Kein Wunder, in einem Dorf von der Größe von zwei Ziegenweiden. Allen voran stapft Zeander.

»Moin, Jesus!« ruft er. »Heute schon was für den Klimaschutz getan?«

Er redet aramäisch. Das ist deine Muttersprache, doch du weißt nicht, was er damit meint. Es ist sicher etwas Versautes, glaubst du.

»Ätsch, ich weiß aber, was du heute zum Mittagessen kriegst!«

Sicherheitshalber weichst du der Gruppe aus und gehst schneller, um Abstand zu den Fischern zu gewinnen. Glücklicherweise ist Zeander nicht der Hellste. Als er endlich verstanden hat, du hättest die Nacht bei seiner Belisma verbracht, bist du schon zu weit weg für eine mögliche Abreibung. Aber er lacht nur, denn er ist humorvoll und versteht den Witz.

Du drehst dich ein letztes Mal zu den Fischern um. Einer der Männer, du denkst, es ist Petrus, ist hinter den anderen zurückgeblieben und schaut dir nachdenklich hinterher.

***

Am Zeltlager der Täufer wirkt alles wie ausgestorben. Zwischen den Zelten ist niemand zu sehen. Du hörst Stimmengemurmel vom See her. Da unten sind sie, die ungefähr 50 Leute der Täufer.

Dir kommt die Versammlung seltsam vor. Alle Menschen stehen mit den Füßen reglos im See. In der Mitte der Gruppe befindet ihr Anführer. Das ist Johannes, denkst du. Immerhin: Du erkennst ihn wieder. Jede andere Erinnerung an die gestrige Nacht bleibt vage. Das Gefühl von inniger Zuneigung, von Liebe zu diesem Mann ist da und nach wie vor verwirrend. Du bleibst etwas abseits auf einer Sanddüne und wartest. Nach und nach löst sich die Ansammlung auf. Vereinzelt und in verschieden großen Gruppen gehen die Leute zu ihren Zelten zurück. Als sich Johannes umdreht und aus dem Wasser steigt, stehst du auf und suchst seinen Blick. Er sieht dich und kommt mit großen Schritten auf dich zu.

»Jesus, mein Freund!« ruft er dir entgegen.

Seine langen, lockigen schwarzen Haare wehen im kalten Seewind vor seinem Gesicht. Als er dich erreicht, nimmt er dich an beiden Händen und schaut dir tief in die Augen.

»Sei willkommen. Bist du gekommen, mein Erbe anzutreten?«

»Was?«

Du verstehst überhaupt nichts. Sein ganzes Verhalten ist dir zu aufdringlich, du befreist dich aus seinen Händen und trittst zurück.

»Ich will wissen, was du gestern Nacht mit mir gemacht hast!«

Johannes lacht.

»Du hast fünf meiner zehn Töchter gevögelt, das Viertel eines fetten Hammels gefressen, einen vollen Krug Wein aus Samaria gesoffen und zweimal in die Wellen des See Genezareth gekotzt. Nach der dritten Stunde des neuen Tages habe ich dir einen Tritt in den Hintern gegeben und in Richtung Nazareth angeschoben. Das war eine scharfe Vorstellung von dir!«

Du wirst blass und die Knie werden dir weich. Du fällst auf die Knie und bittest gen Himmel:

»Verzeih‘ mir oh Herr! Ich habe gesündigt!«

Du sagst es aus Scham, aus Verlegenheit und weil du eine gute Erziehung hattest. Dir wäre wohler, du wüsstest von deinen Sünden. Nach wie vor hast du keine Erinnerung, schon gar nicht an die von Johannes geschilderten gruseligen Geschehnisse.

Johannes lacht.

„Alter, das Kraut war wirklich gut, wenn du glaubst, was ich sage. DieIn Wahrheit bist du mit einem Depp aus dem Dorf zu uns gekommen, hast drei Züge von unserem guten Afghanischen Kraut geraucht warst weggetreten bis zum Morgengrauen. Dann haben wir dich nach Hause gebracht.«

Du weißt jetzt nicht, was du glauben sollst. Fünf Töchter von Johannes gevögelt zu haben gefällt dir jedenfalls besser, als die Nacht unter Drogeneinfluss verpennt zu haben.

»Du bist wohl etwas durcheinander?«

Johannes zieht dich hoch und umarmt dich.

„Ein mieses Kraut ist das, wenn du es das erste Mal nimmst. Komm mit ins Lager. Muriel kann uns einen Tee machen.«

»Wer ist Muriel?« fragst du.

»Meine zweite Frau. Nun komm schon!«

Du lässt dich von ihm ins Zeltlager führen. Johannes geht auf das größte Zelt zu und schlägt das Eingangstuch zur Seite.

»Tritt ein, mein Freund!«

In der Mitte des Zeltes brennt ein kleines Feuer aus Schafdung. Eine kleine Frau hockt davor und stochert in der Glut. Johannes befiehlt ihr:

»Mach‘ einen Sud aus Distelblüten. Jesus braucht jetzt was Starkes!«

Er bedeutet dir, auf einem Felllager an der Zeltwand Platz zu nehmen. Gemeinsam schaut ihr der kleinen Frau zu, wie sie den Tee zubereitet. Du hast tausend Fragen, doch keine einzige kannst du in Worte fassen. Also schweigst du. Johannes sagt ebenfalls kein Wort.

Die kleine Frau ist mit der Zubereitung fertig und gießt eine übelriechende, dunkle Flüssigkeit in eine Schale, diese reicht sie Johannes. Der gibt sie nach einem kurzen Schnuppern an dich weiter.

»Runter damit. Am besten, in einem Zug!«

In seiner Stimme liegt eine Befehlsgewalt, der du nichts entgegensetzen kannst. Kaum hast du die Schale geleert, explodiert ein Feuerwerk in deinem Kopf. Schlagartig wird dir klar, wer du bist und welche Aufgabe vor dir liegt. Du siehst, wie Johannes dich beobachtet und atmest ein paarmal tief durch.

»Täufer.«

Johannes schlägt die Augen nieder und murmelt: »Ja, Herr?«

»Ich bin nicht dein Herr« sagst du. »Du bist der Herr deiner selbst. Ich war und bin der Herr, der dich aus der Wüste geführt hat. Ich bin nicht mehr der Herr, der dich aus der Wüste geführt hat. Ich bin der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, in Ewigkeit, Amen!«

»Meister!« ruft Johannes.

Das kleine Weib ist in Ohnmacht gefallen. Du stehst auf und beugst dich über sie. Ihr Atem geht flach, ist fast nicht zu spüren. Deine Hände streicheln ihre schmutzigen Wangen. Alles was sie ist und in ihr ist, liegt offen vor dir wie eine Thorarolle. Du siehst ihre Leidenschaft, ihre Hingabe zu ihrem Mann, die Gier nach unerfüllter Liebe, den Wunsch nach einem größeren, schöneren Körper.

»Dreh‘ dich um und schließe deine Augen!«, befiehlst du Johannes.

Eine Hand legst du in ihren Schoß, die andere auf ihre Stirn. Ein kurzer Moment der Konzentration: Es ist vollbracht. Jetzt zu Johannes. Mit einer Hand auf seiner Schulter machst du ihn starr, unbeweglich. Die andere fasst sein Geschlecht und lässt göttliche Energie fließen. Ebenfalls vollbracht. Schon im Wegziehen der Hand spürst du seine Härte. Als du das Zelt verlässt, blicktst du zurück und siehst das Ergebnis deiner Schöpfung. Fassungslos, mit einer riesigen Beule vor der Hüfte, steht der Täufer vor dem Feuer. Er glotzt auf die große, üppige Frauengestalt, die sich vor dem Lagerfeuer mit gespreizten Beinen räkelt. Lächelnd trittst du ins Freie und schlägst das Zelttuch über den Eingang. Im Weggehen hörst du sie jubeln. Deine Schritte führen dich zum See. Jetzt willst du es wissen.

Die nackten Fußsohlen bleiben trocken, als du auf dem Wasser gehst. Nur hundert Ziegenlängen, dann bist du schon zufrieden. Als du zum Ufer zurückgehst, wirst du von den Täufern und den Fischern aus Nazareth bejubelt.

Du atmest tief durch. Die Mission hat begonnen, doch du hast Zweifel.

Gestern in der Nähe der Wega

Der Weltraum. Unendliche Tumbheit. Wir schreiben das Jahr 2019. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, nein, (Verzeihung. Der Schreibschwung hat mich mitgerissen.) der fantastischen Geschichtenerzählerin Gerda Locker, die alle Zeit der Welt hat, das Universum und seine Wunder zu erforschen.
Heute sollte es eigentlich wieder um die Abgründe der menschlichen Sexualität gehen. Nachdem ich aber gestern das Paarungsverhalten der saurierähnlichen Quexoto auf dem Planeten Nerka im Sonnensystem Wega ausgiebig untersucht habe, muss ich zunächst davon berichten. Um ehrlich zu sein, die Untersuchung war schnell erledigt, denn die Quexoto haben gar keinen Sex. Aber: Sehr interessant, sie kommen auch ohne Sex gut klar.
Sie poppen aus Gesteinsklumpen, die nur im Äquatorialgürtel des Kontinents Nana vorkommen, alle Jubeljahre bei einer gleichzeitigen Mondfinsternis der drei Planetentrabanten Ex, Hopp und Nadenn. Sie leben leider nicht lange. Sobald sie sich soweit entwickelt haben, um erkennen zu können, was ihre einzige Nahrungsquelle ist, stürzen sie sich hinein, fressen sich voll bis Oberkante Speiseröhre, rülpsen geräuschvoll und verrecken. Ihre Nahrung ist für Terraner tödlich, doch wir haben im Moment sowieso keine Möglichkeit, diesen Planeten zu bereisen. Vielleicht später. Aber dann könnten die Quexoto bereits ausgestorben sein und es wäre zu spät, um ihren Lebenszyklus erforschen zu können. Deshalb ist es so wichtig, dass ich das alles gestern noch herausgefunden habe, um es stolz hier einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. Das Außergewöhnliche steckt im Unscheinbaren, nicht wahr? Wer weiß, wozu dieses Wissen einmal gut ist?
Ach so. Die Nahrungsquelle der Quexoto ist Ravioli, ein Ausscheidungsprodukt der Rumpellianer. Diese sind knorpelige Wuscheltierchen, die zwischen den Gesteinsklumpen, aus denen die Quexoto poppen, ein jämmerliches Dasein führen. Hatte ich fast vergessen.

Mariä Empfängnis und Josephs Not

Maria empfängt

An einem schönen Sommerabend saß die liebliche Maria vor der Hütte ihrer Eltern und versuchte ein wenig nachzudenken. Das war schwer für sie, denn ihr Vater hatte ihr längst das Gehirn rausgevögelt, wie man so unschön sagt. In treffenderen Worten ausgedrückt: Ihr Vater, der grausame Hieronymus von Galatea, machte seit ihrem siebten Lebensjahr schlimme Dinge mit seiner schönen Tochter. Um diese Schrecklichkeit ertragen zu können, zog sich die jetzt Fünfzehnjährige immer mehr in eine geistig arme Eigenwelt zurück.

Aber was schreibe ich da? Das kann doch nicht sein! Sie war Jungfrau bei Jesu’ Geburt! Nichts da! Von wegen: Elterliche Gewalt! So ein Unfug!

Also von vorn: Sie war einfach nur ein wenig einfältig. Sie ruhte sich von der Arbeit aus. Vor der Hütte. Auf einem Sitzhocker mit Schaffell, die Hüttenwand im Rücken, die Abendsonne im Gesicht. Da kam ein Karnari geflogen und setzte sich dreist auf ihr linkes Knie. Woher sollte die dumme Maria wissen, dass es der Heilige Geist in Vogelgestalt war? Allerdings hätte ihr jetzt eine solche Klugheit überhaupt nichts genützt, weil der Heilige Geist ganz fiese göttliche Fähigkeiten hatte, von denen er gleich brutal Gebrauch machen würde. Unter der Zunge trug der Kanari ein einzelnes göttliches Spermium. Ungeduldig zappelte es eingebettet in einer stecknadelkopfgroßen Gelkapsel. Maria hatte kurz Gelegenheit, überrascht über die Zutraulichkeit des putzigen Vogels zu sein. Da griff der Kanari, also der Heilige Geist, mittels Gedankensuggestion zu! Er befahl ihr, den Vogel locker in die Hand zu nehmen und mit der anderen Hand den Rock zu raffen. Den Kanari musste sie mit dem Köpfchen an ihre Muschi führen. Und zwar so, dass der Kanari mit seinem Schnäbelchen die Gelkapsel einführen konnte. Dann befahl der Heilige Geist der solcherart vergewaltigten Jungfrau, sich den Rock herunterzuziehen und den Vogel aufs Knie zu setzen. Ein letzter Gedankenimpuls löschte die letzte halbe Minute – länger dauerte das Ganze nicht – aus der Erinnerung der armen Maria. So einfach war das. Der Kanari flog weg, nicht ohne dem Mädchen noch schnell aufs Knie zu kacken. In Marias Scheide löste sich die Gelkapsel sofort auf und das gierige Gottesspermium schlängelte durch das Jungfernhäutchen und – ach was! Da war kein Jungfernhäutchen! Also: Befruchtung ohne Hindernis. Ein neues Leben begann!

Josephs Not

Der Joseph! Er war so froh, als sein Vater ihm dieses Mädchen besorgte. Große Sprünge konnten die Eltern von Joseph nicht machen, sie hatten einfach zu wenig Weidemöglichkeiten für ihre kleine Schafherde. Die Wollpreise fielen seit Jahren und das Leben in Judäa war hart. Die Maria war ein richtiges Schnäppchen, da hat Josephs Vater den Handel schnell perfekt gemacht. Das wurde Zeit, denn der Junge ging schon auf die Dreißig zu, verkehrte noch mit Schafen und hatte keinen richtigen Beruf. »Mach’ doch endlich eine vernünftige Ausbildung!«, lag ihm die Mutter oft in den Ohren. Da kam die Maria gerade recht. Ein bisschen seltsam war sie ja. Ihre jüngeren Schwestern besaßen schon mehrere Kinder, aber die Maria war immer noch allein, ohne einen treusorgenden Mann. Trotz ihrer sexy Figur, die selbst unter dem lockerfallenden Gewand gut zu erkennen war. Aber trübe Augen hatte sie. Trübe und traurige Augen. Das kam daher, weil sie recht häufig schmutzig benutzt worden war. Von ihrem Vater, nicht wahr! Alle haben das gewusst, auch Josephs Vater, nur sein dummer Sohn nicht. Und sie war so billig. Was Normales, so für 15 oder 20 Schafe, hätte sich sein Alter nie leisten können. Die Maria rückte ihr frevelhafter Vater für zweieinhalb Hammel raus, ein richtiges Schnäppchen. Joseph war es zufrieden. In stillen Nächten und manchmal auf der Schafweide im Sonnenschein, wenn es zur Sache ging, lag sie reglos wie ein abgeschlachtetes Tier unter ihm, während er stümperhaft stocherte. Joseph kannte es nur so und schön flutschig war sie zur Genüge, viel saftiger als jedes Weideschaf. Auch der Busen war toll. Als sich nach einigen Monaten ihr Bauch zu wölben begann, wusste Joseph, dass seine Saat aufgegangen war.

Dann kam diese seltsame Nacht, in der plötzlich alle Welt in den Stall in Bethlehem drängte, um die Geburt seines Sohnes zu begrüßen. In dieser Nacht hat Joseph sich zum ersten Mal richtig betrunken. Den Schock muss man sich vorstellen. Der wusste nichts von seiner Frau. Dachte, sie wäre neuwertig. Er war sich sicher, er selbst hätte sie geschwängert und das Baby mit dem Heiligenschein in der Krippe wäre sein Sohn, Joseph junior, der kleine Juppi. Plötzlich behaupteten wenig vertrauenerweckende aber stinkreiche fremdländische Herrscher, er sei nicht der Vater! Der so um seine Illusion gebrachte junge Mann hat das dagelassene Gold der Besucher genommen, Maria vorwurfsvoll angeschaut und ist in die Herberge zum Weintrinken gelaufen. Am nächsten Tag zählte er das restliche Geld und suchte sich eine Lehrstelle als Zimmermann.

Alle Geschichten gehen immer weiter …

Gott erwacht

Der liebe Gott ist nach zweitausendjährigem Schlaf aufgewacht. Er reibt sich die Augen und blinzelt, geblendet vom hellen Sonnenlicht. Noch ist er verschlafen und hat keine Ahnung, wer er ist und wo er ist. Da hinten, diese Wolkenformation! Die kennt er doch! Schlagartig ist die Erinnerung zurück. In dieser blass-lila und grell-rosa gestreiften Haufenwolke wohnt sein Sohn, der Jesses! Nun hört Gott auch die dumpfen Beatrhythmen, die durch das Himmelsgewölbe donnern. Dort drüben ist die übliche Partystimmung. Seufzend erhebt Gott seinen massigen Körper aus dem Himmelbett und wischt mit einer nachlässigen Handbewegung eine Akustikdämmwolke vor den schmucken Gottespalast. Sofort ist es wohltuend still. Das Mittagsschläfchen ist jedoch gestört und das ärgert ihn.

»Wenn ich schon wach bin, kann ich gleich nachsehen, was mein letztes Projekt macht!«

Er pustet ein paar dunkle Gewitterwolken zur Seite und sieht die tolle Erde um die Sonne sausen. Etwas kommt ihm seltsam vor. Was soll der Grauschleier über dem blauen Planeten? Das sah zuletzt aber entschieden besser aus! Gott runzelt die Stirn und klingelt nach Petrus. Der Himmelsknecht rauscht sofort auf einer Regenwolke heran. »Was gibt es denn, Chef? Ist die nächste Mannalieferung fällig?«

»Quatsch mit Manna!« ruft Gott. »Hat jemand während meines Mittagschläfchens an der Erde rumgefummelt?«

Petrus ist beleidigt.

»Nee, Chef! Das wissen hier oben im Himmel doch alle, wie heilig dir dein Spielzeug ist!«

Kopfschüttelnd beobachtet Gott die schmutzige Kugel. Er wundert sich, dass da unten noch Leben möglich ist.

Zufällig kommt gerade die Himmelsuhr vorbei. Sie wird von vier hässlichen und stummelflügligen Engeln auf einer engen Kreisbahn um den Gottespalast gezogen. Die Uhr leistet Widerstand, doch die Engel sind unerbittlich und zerren sie erbarmungslos voran. Gott kümmert nicht das Leiden der Uhr. Ihn interessiert nur seine kaputte Erde.

»Sag’ mal, war ich so blöd und habe den Zeitbeschleunigungsfaktor nicht abgestellt? Sind auf der Erde seit meinem letzten Eingreifen in Jerusalem wirklich zweitausend Jahre vergangen?«

Petrus popelt gelangweilt in der Nase und meint: »Da sage ich jetzt nichts zu. Wer ist denn hier Gott der Allmächtige?«

»Ich!« Brüllt Gott begeistert.

»Na bitte.« Petrus geht wieder zu der Himmelspforte. Hier hat sich während der Dauer des Gesprächs mit Gott eine kilometerlange Schlange aufnahmewilliger Lungenkrebsopfer gebildet. Das sieht verflucht nach Überstunden aus.

Gott betrachtet die dreckige Erde und ist ratlos. Wie immer, wenn er nicht weiterweiß, fragt er seine Mama um Rat an. Die hockt zwar irgendwo am Ende des Universums und brütet einen Scheißgott nach dem nächsten aus, ist jedoch jederzeit für ihren Nachwuchs zu sprechen. Dazu benutzt er einfach das rote Telefon, das an einer Schnur aus Schlangenhaut, um den Hals gebunden, vor seinem dicken Bauch hängt. Es sieht aus wie eine unrasierte Muschi. Wie das Ding technisch funktioniert, davon hat er keinen blassen Schimmer. Muss er auch nicht. Hauptsache, der Kontakt ist immer zuverlässig.

»Meine Welt ist am Arsch, Mama, was soll ich tun?«

»Wirf das Ding in ein Schwarzes Loch.«

»Nein, Mama, ich habe mir so viel Mühe damit gemacht. Kann ich es nicht reparieren? Ob sich das noch lohnt?«

»Kannst es ja ausprobieren.«

»Mache ich. Gruß an Papi.«

***

Gott fummelt zwei Telefonhaare von den Lippen. Er greift eine Portion Manna aus der Luft und stopft den leckeren Batzen in den Mund. Gut gelaunt geht er ans Werk. Kauend überprüft er zunächst die Fakten:

Die Menschen machen die Erde kaputt. Sie haben sich in den letzten zweitausend Jahren vermehrt wie die Heuschrecken. Die meisten Leute leben in einer kapitalistischen Gesellschaftordnung, was sich zerstörerisch auf die Erde und die Menschen auswirkt. Es gibt viele Religionen. Manche finden Gott supertoll, andere nicht. Diejenigen, die voll auf ihn abfahren, streiten untereinander um die richtige Art und Weise seiner Vergötterung.

Er hat die Hände schon an den Regelschiebern der Erdenmaschine, um für den Anfang das Problem der Überbevölkerung mit ein paar Kometeneinschlägen zu lösen. Da bekommt er die beste Idee der Welt:

»Warum sollte ich denen die Arbeit abnehmen? Die können ihren Planeten bitteschön selbst wieder in Ordnung bringen!«

Gott entscheidet sich für eine interessante Minimallösung und nennt sie »Operation sanftes Anschubsen«:

Alle Menschen sollen ihn gut finden. Er will ihnen sagen, was sie an ihm gut finden sollen. Sie sollen sich und ihn lieb haben. Sie sollen die Erde, auf der sie leben, lieb haben und sie wieder gesund machen.

Gott zeigt den Menschen ein wenig, wer hier der Boss ist. Das geht einfach: Er nimmt die Himmelstrompete aus dem Wandregal mit den himmlischen Folterwerkzeugen und bläst in Richtung Blauer Planet hinein. Vorn kommt eine wunderschöne Ansage heraus:

»Achtung, Achtung, hier spricht der Kapitän! Der Kahn ist kurz vor dem Absaufen, weil einige Ratten schon zu viele Löcher in den Rumpf genagt haben. Ich gebe euch ein Jahr Zeit, grundlegende Veränderungen herbeizuführen, damit das Schiff problemlos weiterfahren kann. Damit ihr den Ernst der Lage kapiert und meine Macht fürchtet, hier eine kleine Warnung: Alle, die in den nächsten Tagen auf die sogenannte PEGIDA-Demonstration gehen, werden von mir geschwärzt. Den Boko Haram und dem IS zeige ich bei ihren Terroraktivitäten meinen Stinkefinger. Bis dann!«

Diese klare Ansage unterbricht alle laufenden Funksendungen auf der Erde und ertönt aus den Lautsprechern aller Empfangsgeräte. Die Himmelsposaune übersetzt praktischerweise den Spruch nicht nur in die jeweilige Landessprache der Empfänger. Die Posaune kann auch mehrere Stimmen imitieren. Beispielsweise klingt die Deutsch sprechende Stimme wie Angela Merkel und die amerikanische wie der tote Elvis Presley. Die gesamte Menschheit rätselt über den Ursprung, die Bedeutung und die technische Machbarkeit der Sendung. So richtig will niemand an die Botschaft glauben. Die Regierungen der Erde beschuldigen sich gegenseitig einer üblen Propaganda.

***

Zwei Tage später ist Montag, die wöchentliche PEGIDA-Demonstration in Dresden ist in vollem Gange. Einige Teilnehmer machen Witze über den irren Spruch von vorgestern und das ominöse »Schwarzmachen«. Gegen Ende der Veranstaltung verunsichert eine Nachrichtenmeldung mehrerer Presseagenturen die Menschen: Im Kongo sind mehrere Terrorbanden der Boko Haram vernichtet worden. Angeblich von Buschmännern mit Fäusten und Speeren gegen Terrorkämpfer mit Kalaschnikows. Außerdem melden die kurdischen Peschmerga prima Geländegewinne, weil bei den IS die Waffen nicht mehr funktionieren.

Nur ein paar Teilnehmer der Demonstration lassen sich verwirren, als sich das herumspricht. Es geht weiter mit »Lügenpresse, halt die Fresse!« und »Wir sind das Volk!«

Plötzlich wird es kurz stockdunkel, dann gibt es einen Lichtblitz, es wird noch einmal dunkel. Diesmal fast zehn Sekunden lang und als dann wieder die Abendsonne scheint, sind alle Teilnehmer der Demonstration negroid geworden. Schwarz wie die Nacht. Sogar Polizisten, die aufpassen sollen, dass die Leute keine Hitlergrüße machen, sehen aus wie schwarze Streifenbullen in Chikago. Die anwesenden Kamerateams hat es auch erwischt. Praktischerweise gehen die Bilder sofort um die Erde und die Welt ist entsetzt.

Der Schreck bei den Pegida-Teilnehmern ist groß. Viele fallen in Ohnmacht. Eben noch blonde Wikingerrecken brechen zusammen und wimmern: »Mami, ich will kein Neger sein!« Alle reiben an sich herum, in der Hoffnung, die vermeintliche Farbe abwischen zu können – aber nichts geht: Alles ist echt. Sogar die blankpolierten Glatzen sind weg. Stattdessen prunken überall schöne schwarze Kraushaarlocken auf den Köpfen. Einer der Männer guckt in seine Hose und ruft begeistert: »Alter! Dafür gerne!« Sofort ist er von interessierten schwarzhäutigen Frauen umringt.

Die anschließenden Untersuchungen in Krankenhäusern und Universitäten führen zu keinem Ergebnis. Unter den Experten ist Einigkeit: Das Geschehen ist rational nicht zu erklären. Die rätselhafte Verwandlung muss ein Wunder sein. Von IHM. Alle Menschen auf der Erde rennen in die Kirchen und Moscheen. Buddhisten und Hindus werden richtig neidisch. Viele treten zum Christentum über. Der Papst meint, das Ereignis verstanden zu haben. Es gäbe eine Absicht dahinter, das hätte ER als Kapitän ja laut und deutlich genug gesagt: ER will uns Gutes tun, aber wir müssen selber gut sein. Leider verstehen das die Wenigsten. Eine Woche später bringen sich einige Pegida-Teilnehmer um oder töten sich gegenseitig. Andere vollziehen die totale Kehrtwendung und gehen offensiv mit ihrem Kainsmal um. Sie suchen auf den Straßen nach übrig gebliebenen Faschisten und blamieren sie in der Öffentlichkeit mit Sprüchen wie: »Na, heute schon ’nen Nigger angespuckt?« oder »Schaut, das weiße Menschenkind, wie es plötzlich läuft geschwind!« Sie rennen fröhlich durch Dresden und rufen; »Black Power, Black Power!« Total nette Leute sind das und immer auf der Suche nach alten Omis und Opis, denen sie über die Straße helfen und ihnen die mit Fertigprodukten gefüllten Einkaufstaschen in armselige Rentnerwohnungen hochtragen. Es finden Rollatorwettbewerbe statt: Alte Menschen werden auf ihren Rolli gesetzt und dann geht die Post ab: Wer ist schneller, Bimbo oder Bimba? Übrigens wollen viele Schwarzgemachte jetzt Bimbo heißen und nach Afrika auswandern. Die deutsche Regierung lässt sie aber nicht aus dem Land, weil immer noch Untersuchungen nötig sind, um rauszubekommen, ob Heilung möglich ist. Deshalb will sie auf die Menge der 20.000 Geschwärzten behalten, denn es müssen noch viele Experimente gemacht werden. Die Russen bieten jede Hilfe an. Das wird jedoch abgelehnt, weil die angeblich keine Erfahrung mit schwarzen Leuten haben. Franzosen und Niederländer dürfen gern helfen, was total ungerecht ist.

Doch das Wunder bleibt ein Wunder. Gott ist gespannt, wie es weitergeht.